Schulen informieren Parlamentarier

Donnerstag 15 Juni 2017

Christophine Landesverband Freie Alternativschulen Bundesverband

BFAS Landesverband Baden-WürttembergIm baden-württembergischen Landtag beginnen die Lesungen der Neufassung des Gesetzes zur Privatschulfinanzierung. Die Bemessung der Zuschüsse ist für jede Regierung eine Baustelle. Um den Landespolitikern die Arbeit der freien Alternativschulen im Kontext der vielfältigen Bildungslandschaft aufzuzeigen, hatte der Landesverband der Alternativschulen Baden-Württemberg die Mitglieder des Bildungsausschusses des Landtags und weitere Interessierte zum informativen Abend ins Alte Waisenhaus eingeladen. Christophine war beteiligt.

Im ‚Globalen Klassenzimmer‘ begrüßten Vertreter und Vertreterinnen der 17 Mitgliedsschulen des Landesverbands, darunter auch ehemalige Schüler, Pädagogen und Verwaltungskräfte, die Parlamentarier. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den jeweiligen Schulteams repräsentierten die ganze Bandbreite pädagogischen Handelns. Im Spektrum der Schulen in freier Trägerschaft nehmen die Alternativschulen mit ihren regionalen und pädagogischen Unterschieden einen sehr breiten Raum ein. Das Schulgesetz bietet freien Trägern Raum für ihre Schulideen: Neben den konfessionellen Schulen, den Walddorfschulen und zahlreichen Berufsschulen finden sich viele Ersatz- und Ergänzungsschulen, die entsprechend den Bildungsgängen Grundschule, Werkrealschule, Realschule, Gemeinschaftsschule und Gymnasium den Familien ihre Angebote machen. Die Alternativschulen im Land sind vornehmlich als Grund- und Werkrealschulen gemeldet, werden aber von Kindern besucht, die schließlich auch andere Schulabschlüsse anstreben.

Einig sind sich die Mitgliedschulen darin, dass Lerninhalte ihren wichtigsten Impuls aus den Erfahrungen der Kinder beziehen. Der daraus resultierenden Komplexität des Lernens wird in flexiblen Lernformen Rechnung getragen. Weiter unterstützen Alternativschulen über die Aneignung von Wissen hinaus emanzipatorische Bildungsprozesse. So werden Voraussetzungen zur Lösung gegenwärtiger und zukünftiger gesellschaftlicher Probleme geschaffen.

Die Schulleiterin Sabine Schaumann machte anhand von Bildern beispielhaft die Arbeit von Schulen deutlich, deren nicht-direktive Haltung gegenüber dem Kind auf den Ideen der Ärztin Maria Montessori und den Schriften und Erfahrungen der Pädagogin Rebecca Wild fußen.

Für den Landesverband der Freien Alternativschulen in Baden-Württemberg stellte Petra Laßmann vier Forderungen an das Publikum der Mandatsträger.

  1. Sie wies erstens auf die durch die Alternativschulen inzwischen jahrzehntelang gegebene Ergänzung zum staatlichen Schulwesen hin. Hier sei eine höhere Akzeptanz seitens der Politik und Verwaltung an der Zeit. Nichtzuletzt in strukturschwächeren Gegenden und an sozialen Brennpunkten können Alternativschulen die öffentliche Trägerschaft entlasten.
  2. Weiter habe sich zweitens in den zurückliegenden Jahren gezeigt, dass es über das Grundgesetz und die Landesgesetze keine einheitlichen Kriterien für die Genehmigung von Schulen in freier Trägerschaft gebe. Schulgründungen sind großen Unwägbarkeiten ausgesetzt, die nicht mit Erfahrungen anderer abgeglichen werden können. Ein allgemein gültiger Leitfaden würde Schulgründungen berechenbarer machen und eine positives Gründungsklima erzeugen.
  3. Drittens müsse allen Beteiligten klar sein, dass die Finanzierung über ein Bruttokostenmodell, das in naher Zukunft gesetzlich festgeschrieben wird und bei 80 Prozent liegt, nicht von den 100 Prozent ausgeht, die der Schulbesuch eines Schülers an einer staatlichen Schule tatsächlich kostet. Nach wie vor werden einige Kostenfaktoren im Bruttokostenmodell nicht berücksichtigt. Nur Engagement und die Kreativität seitens der Schulbetreiber können hier kompensatorisch wirken.
  4. Schließlich wies Laßmann viertens auf die jahrzehntelange Erfahrung der Alternativschulen hin, die immer wieder wegbereitend für Begriffe wie etwa individualisierten Unterricht und Inklusion waren. Als Experten des Schulalltags können Alternativschulen wissenschaftliche Beratung ergänzen und in Netzwerken Platz finden, die über den Zeitraum von Legislaturperioden hinausdenken.

Im lockeren Tischgespräch bei afrikanischem Essen nutzten die Schulen die Gelegenheit, den anwesenden Abgeordneten ihre Positionen und Anliegen zu verdeutlichen. Die wechselnden Runden waren geprägt von Neugier, Interesse und Wertschätzung. Wichtige Kontakte konnten  geknüpft und vertieft werden. Seitens des Landesverbands der Alternativschulen besteht das Interesse, dass diese Bande weiter gepflegt werden und der Dialog eine Fortsetzung findet.
bfas/lv-bw

Bilder von Michael Laßmann


© Lorenz Obleser 2009