Fingerabdruck eines Komptenzerwerbs

Samstag 27 Juni 2015

Christophine: schreiben lernen

Was dem Typografen sein Drittelgeviert als Wortabstand, das ist der Marbacher Erstklässlerin an der Christophine ihr Zeigefinger. Wenn sie beim Schreiben ein Wort auf das andere folgen lassen will, dann legt das Mädchen bedächtig und mit Freude den linken Zeigefinger an das Wortende und setzt den Stift in der Rechten danach für den nächsten Buchstaben an.
Gemeinhin hat zuvor lange genug immer wieder ein umstehendes Kind beiläufig gefragt: „Warum machst du keine Fingerlücke?“ Gemeinhin und beiläufig heißt in der Beschreibung der Marbacher Pädagogik, dass didaktische Kniffe und die Einforderung der Einhaltung von Regeln, hier die orthografische Substanz als Eigenart unserer Umgangsformen, im Schulsaal anerkannt sind und nicht nur von den Erwachsenen repräsentiert werden. Die Erstklässlerin jedenfalls hatte bereits gelernt, zwischen Wörtern einen Abstand zu halten, weshalb sie in dieser Phase ihres Kompetenzerwerbs sich in jede Fingerlücke mit einem Lächeln stürzt.

Zuvor hatte das Mädchen versucht, mit Kohlepapier einen Stapel Schreibpapier mit Linien zu fertigen. Als nun der erste Wortabstand fällig war, entdeckte es einen Fingerabdruck als Rückstand seiner Tätigkeit zuvor. Das Thema seines Schreibens war das Blühen auf der Wiese im Schulgarten. Unmittelbar sorgte der Schmutzfleck mit den erkennbaren Papillarleisten der Fingerkuppe für eine Abweichung vom direkten Weg zum Ziel, Zeile um Zeile auf dem Papier mit Wortsinn gefüllt zu haben. Das Kind sprang zum Werkzeugregal, holte das Stempelkissen. Beherzt drückte es den Zeigefinger ins Kissen und dann auf das Papier, um umgehend den Abdruck als Blüte aufzufassen und die Blätter ringsum mit Bleistift zu zeichnen. Lernen kann und darf Sprünge machen, einer Logik folgen, die nicht linear ist. Die Blume also war auf dem Papier und das Kind zum weiteren Schreiben ermuntert.

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